Geliebtes & Gelesenes - 

hier habe ich ein paar meiner Lieblingstexte verewigt.
Sie gehen mir unter die Haut, regen mich zum Nachdenken an
und sind einfach stimmig, wie ich meine...
Zusammengetragen habe ich sie aus den verschiedensten Anthologien.

Wir müssen nicht nur... Die Tochter Eine Weile nur
Die Wüste Worte für Dinge Glück der Liebe
Manchmal... Schmerz Gratwanderung
Zeit Ironie Wie denn...
Resignation Seelsorge Wortsuche
Bekenntnis eines Narren Tag für Tag Das Limit
Vergessenes Leben Dein Blick Scherben
Bewahrung Für immer Zurück zurück
Lethes Stumpftiere Der Idealist An den Rollstuhl gefesselt
Unterwegs Frühling Herbstwinter
Je älter ich werde... Unendlichkeit Übereinandergelegt
Heldenfriedhof Worte, Zeilen Entrückt
                  Alte Frau auf dem Friedhof

Sollte einer der aufgeführten Autoren nicht mit der Veröffentlichung einverstanden sein,
 dann bitte ich um eine kurze Mitteilung. Ich werde den Eintrag dann natürlich unverzüglich löschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 


Gratwanderung

Wieviel Nähe kann ein Mensch
ohne an der Angst
vor dem Verlust derselben ertragen,
ohne zugrunde zu gehen?

© Maria Kaldeweg

 

 



 

 


Für immer

Einen Menschen
den man wahrhaft liebt,
kann man nicht verlieren.

Es sei denn
man vergißt ihn.

© Maria Kaldeweg

 

 

 

 

 


 

 


Das Limit

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben,
sagt man mir.

Aber - wie groß kann ein Mensch werden?

© Maria Kaldeweg

 

 

 

 

 


 

 


Heldenfriedhof

Bataillone weißer Kreuze
entsetzlich ausgerichtet.
(Die schlagen noch im liegen
ihre Hacken zusammen)
ansonsten hübsch:
Immer noch der alte
Schleiflack.

© Wendel Schäfer

 

 

 

 

 

 


 

 


worte, zeilen...
seite um seite voll mit leben.
nicht meines, nicht deines - und doch...
es ist wie ein blick ins eigene ich,
ein blick in einen zerbrochenen spiegel.
viele kleine splitter...
und -
überall erkennt man sich!

© Rita Noack

 

 

 


 


Entrückt

Am Weg siehst du den alten Bau,
Der wieder eint dich und Vergangenheit.
Mit ihrer Seligkeit so nah.

Im Zimmer hörst du den fernen Zug
Und folgst ihm so auf seiner Reise
Durch ein dir tief vertrautes Land.

Entrückt bist du dann -

Dem Weg, auf dem du alleine gehst,
Dem Zimmer, in dem nur dein Herz schlägt,
Das Hier und Jetzt - ganz nah bei dir -
Nur Leere in sich trägt.

© Martin Semkat

 

 

 

 

 


übereinandergelegt

erinnerungen
die ich von dir
in langer zeit
gesammelt habe

archiviert
um nicht vergessenheit
zu finden
wenn ich suche

gedanken an dich
wie du die augen öffnest
wie aus dem mund du
dunkle töne lachst

bewahren will ich mir
was geschehen ist
in der zeit
da wir füreinander waren.

© Oliver Roland
 

 

 

 

 

 

 


Unendlichkeit

Ließe sich der alltägliche
Irrsinn auf Erden
in Entfernung messen,
so würde man feststellen,
daß wir Lichtjahre
von der Menschheit
entfernt sind

© Karsten Ott
 

 

 

 

 

 

 

 


Je älter ich werde...

Je älter ich werde,
desto weniger
altere ich
Wie?
So:
Bei meiner Geburt war mein Vater
30mal älter als Ich:
30 : 1
Soso

30 Jahre später war mein Vater
nur noch doppelt so alt wie Ich:
60 : 30
Erstaunlich!

Wenn Ich eines Tages 300 Jahre alt sein werde,
wird mein Vater nur mehr
lächerliche 10 Prozent
älter sein als Ich:
330 : 300
Höchst
erstaunlich!

Je mehr ich weiß...

© Bernd D. Hadeler

 

 

 

 

 

 


Herbstwinter

Und ich gehe

unter Bäumen, deren sommermüde Zweige
sich nach Ruhe sehnend der Erde zuneigen -

und ich fühle,

wie der leise Hauch der grauen Dämmerung
ihre frierenden Wipfel streichelt -

und ich sehe,

wie ein letztes, fliehendes Blatt
sich ergebend mit der wartenden Erde vereint -
und ich träume

von längst verwehten Blättern,
hell strahlend vom Licht der Erwartung -

und ich denke

an die Bäume der Kindheit,
die voll grünen Laubes waren
und ein Kleid bunter Träume trugen -

und ich trauere

um eine verlorene Zeit.


©
Christine Jansen

 

 

 

 

 


 


Unterwegs

auf der Suche nach Glück
auf der Flucht vor dem Schatten
verloren in Raum und Zeit
landend auf dem Stern
des fremd-vertrauten Selbst
spürst du
die Kraft
zum Bleiben
.

©
Helga Höhn

 

 

 

 

 

 


Frühling

aus
frostkalter, dunkler Erde
brechen sie auf
blasse Wintergesichter
hungrig
nach Wärme

schwersüßer Hyazinthenduft
besiegt
Todesgedanken
immer wieder
keimt das zähe Kraut
der
Hoffnung auf noch einen
Anfang

blöken frische Lämmer
als gäbe es
keine
Schlachthöfe.


©
Sabine Hönck

 

 

 

 

 

 


Der Idealist

daran glauben
dass Gedanken die Welt verändern

dass für kurze Zeit
einer dem anderen
eine Oase ist

in dieser Wüste

©
Siegfried Unterhuber

 

 

 

 

 


 


Lethes Stumpftiere

und stünde ich einst vor dem Wasser der Lethe
mit orphischen Lauten wie leise Gebete
ich nähme kein Tröpfchen daraus

denn niemals will ich ein Wörtchen vergessen
nicht Bilder - nicht Gewalt - nicht Erpressen
nicht Pan - nicht das tödliche Aus

und müsste ich ewig diese Schrecken ertragen
und blieben sie ewig - die Schmerzen und Plagen
und all die Dämonen der Nacht

ich würde mich trinkend nur selber vergessen
ich stumpfte zum Tiere - von Lethe besessen
von Göttern dämonisch verlacht


© Manuela Wahl

 

 

 

 

 

 

An den Rollstuhl gefesselt

Wenn
Du
Mal
Wirklich
Eine
Siehst
Die
An
Den
Rollstuhl
Gefesselt
Ist

Binde
Sie
Sofort
Los
!


©
Jutta Harbusch

 

 

 

 


Zurück zurück

von der nächsten flut will ich
mich wegschwemmen lassen
und bei den seeigeln zum erliegen kommen

von den muscheln will ich
mich perlmutten lassen
von den gevaterzeiten lernen

als sandkorn will ich
wieder zur welt kommen
in einem kreißsaal unter nachtbleichem himmel


© Anita Zieher
 

 

 

 

 

 



 


Bewahrung

Alles, was in Sand geschrieben,
jeder Ton, in Luft gehaucht,
währen ewig, wenn ein Lieben
selbstlos in ihr Wesen taucht.
Denn das Herz vermag zu halten
was da sterbend flieht durch Zeit:
Was wir liebend neu gestalten
folgt in alle Ewigkeit.

© Paul Bernecker
 

 

 

 

 

 

 
 


Vergessenes Leben

Blicke ich auf mein Leben zurück - 
fast alles habe ich vergessen.
Nur sporadisch behielt mein Gedächtnis
Ereignisse, Stimmungen, Menschen.

Unzählige Stunden hinterließen,
als hätte ich sie nie erlebt,
Furchen zwar auf dem Gesichte,
doch nichts auf meiner Seele.

Und hätte ich anders gelebt und geliebt,
intensiver, wilder, verrückter -
dem Sandpapier der Zeit,
kann keine Art Leben wiederstehen.

Ach daß nach meinem Tode,
jemand sich vage an mich erinnert,
darauf kommt es mir nicht an,
das wäre bloße Eitelkeit.

Doch daß ich selbst,
bei Verstand und gesund,
fast alles schon vergaß,
das wundert mich doch.


©
Alexander Klemm

 

 

 

 

 

 

 

 


Alte Frau auf dem Friedhof

Mit kleinen Schritten
stickt sie zagend
die fahlen Blätter
auf den Kies

Und ihre Augen
löschen Lichter aus
und welke Kränze,
tausend fremde Namen

Mit jedem Atmen
ihrer müden Brust
webt sie ganz sacht
ein Silbergrau in Nebelfäden

Ihr Herz schlägt leise
Stein um Stein
in schwarz
umböschte Wege

die sind so einsamweit
von Wiederkehr
zu Wiederkehr
zu ihrem Sohn, der ruht.


© Wolfgang Broer

 

 

 

 

 


 


Bekenntnis eines Narren

Ich geh in die Wüste
um mich zu betrinken
und seh mich verdursten an Quellen
Ich steig in die Lüfte
um zu versinken
und atme in salzigen Wellen
Ich nehm zum Geliebten den grausamsten Henker
und kreuzige meinen Befreier
Ich säe Gefühle in Köpfe der Denker
und schleppe die Trauer zur Feier
Befreunde mich täglich mit Toten und Fremden
Verfeinde mich ewig mit mir
Zerreiße die Liebe
um sie zu vollenden
und lache wenn ich sie verlier
Geh barfuß durch tausende Träume aus Scherben
Mit Schuhen durch moosiges Land
Ich fürchte mich nicht vor dem täglichen Sterben
in dem ich das Leben heut fand


© Alexandra Schock

 

 

 


 

 

 

 


Wir müssen nicht nur auslöffeln,
was wir uns eingebrockt haben,
nein, wir müssen auch noch ausbrocken,
was uns in frühen Jahren
eingelöffelt wurde!


©
Käte Ledig-Schön
 

 

 

 

 

 

 


 


Eine Weile nur

Eine Weile
Ganz an dein Herz gelehnt,
In deine ausgestreckte Hand
Eingegraben,
Auf dein Träumen
Und Hoffen gestützt
Durfte ich ausruhen
Eine Weile
Eine Weile nur.


© Bärbel Pfeifer
 

 

 

 

 

 

 


Tag für Tag
Lege ich
Mein Herz an die Kette.
Lebensmüde
Treibt mich 
Das Pflichtbewusstsein
Durch
Ein Schattenland.
Mein Schrei
Erstickt
Im Würgegriff des Schicksals.
Ich buhle nicht
Um deine Liebe;
Doch
Ich möchte die Musik anhalten
Weil du
Mit einer anderen tanzt.

© Cornelia Kiebgier-Ganglott

 

 

 

 

 


Selbst Scherben
Können
Etwas Heiles verkünden,
Denn als solche
Sind sie nicht kaputt.


©
Paul Weedauer

 

 

 

 

 

 

 


Dein Blick

Dein Blick den ich suchte,
Fand mich zum Glück.
Deine Liebe, die ich ersehnte
Kam zu mir
Wie ein Sonnenaufgang.
Tausendmal mehr
Als ich ersehnte
Schenkte sie mir unsere Liebe.
Die Sonne ist sie,
In der ich wachse.
In ihrem goldenen Licht
Verliert das Schwere
Sein Gewicht,
Bekommt das Schicksal
Dein Gesicht

© Werner Sprenger

 

 

 

 



 


Seelsorge

Der Seele
Vom Boden aufhelfen,
Ihr für´s erste
Einen Gehgips verpassen,
Und alles tun,
Daß sie wieder
Laufen lernt.


© Wilfried Besser

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Tochter soll aufräumen

Schwer ist die Arbeit
Das Zimmer aufzuräumen.

In der Ecke der Wald muß beseitigt
Der See abgelassen werden

Die Schule und der Tierpark
Mehrere Häuser samt Einrichtung
Sind fortzutragen

Der sich angesammelte Himmel
Wird hinausgelüftet

Wer soll das verkraften?

© Christoph Eisenhuth

 

 

 

 

 



 


Worte für Dinge finden
Die einem die Sprache verschlagen
Sich eine Geschichte
Über die Welt ausdenken
Die bereits eine eigene hat
Ein Gedicht
Über das Leben schreiben
Auf das man sich
Keinen Reim machen kann


© Stefan Nowak

 

 

 

 

 

 

 


Ironie

Unglücklicherweise
Kennt das Geheimnis
Des Lebens
Nur der Tod.
Mal ganz davon abgesehen,
Daß es ihn
Nicht im geringsten interessiert
Schweigt er
Wie ein Grab -
Schon aus Prinzip.


© Patric Hemgesberg

 

 

 

 

 

 


Resignation

Würde Christus
heute wieder
unter uns leben -
er befände sich
abermals
in höchster Lebensgefahr.



©
Gerhard Windshuber
 

 

 

 

 

 

 
 


Wortsuche

Es ist an der Zeit
Ein neues Wort zu finden
Das alte
Abgegriffen
In den Dreck gezerrt
Schleimbesudelt
Taugt nicht mehr.

Vielleicht
Eines Tages
Werden wir
Ein ganzes Wörterbuch ausdenken
Denn wir kennen doch noch
Das uralte, neue Gefühl
Das nackt
Und ohne Namen
Friert.

Ein wohlgestaltetes,
Ein handliches Wort,
Ein- oder zweisilbig
Soll es sein.
Ein gewichtiges.
Eins, das
Dich und mich
Uns werden läßt !


© Lisa Kahn

 

 

 

 

 

 


 


Sich zu der Erde
Des geliebten Menschen
Betten zu lassen.
Im Tode
Eins werden:
Ein Ende,
Ein Leib,
Ein Leib der Erde.
Du und ich -
Wir werden sein,
Dieselbe Erde sein.

© Werner Sprenger
 

 

 

 

 

 

 

 


 


Schmerz

Bewegungslos
nehme ich den Schmerz an
Gehe um mit ihm
ergründe ihn
betrachte ihn von allen Seiten
fühle ihn als das was er ist:
die tiefste aller Empfindungen.

Erkenne immer wieder auf´s neue
staunend
seine Mächtigkeit
wie er jede Faser meines Körpers
besetzt
in mich eindringt
keine Verleugnung zuläßt
in seiner Echtheit

mich versinken läßt
in Abgründe
im freien Fall
ins Bodenlose.


© Viktoria Preselmaier

 

 

 

 


 


Manchmal
Geschieht noch Stille.
Atemlang vernehmbar
Steht Geschaffenes
In reinem Raum
Und
Deine Hand,
Längst Staub,
Liegt warm auf meiner Schulter.


© Margarete Parzeller
 

 

 

 

 

 


Wie denn soll ich vergessen ?

Wie denn
Soll ich vergessen
Daß du mich liebtest,
Und wie denn
Dein Angesicht, sternenüberströmt,
Deine Stimme und ach,
Deine Tränen,
Und wie denn dein Herz
Auf dem meinen ?
Es ist ja dein Pulsschlag
Noch immer im Raum,
Wenn du schon lange fort bist,
Und deine Worte,
Die nur mit den Augen
Geschwiegenen,
Überstürzen mich noch,
Die beklemmende Leere
Des Abends anfüllend
Mit Liebe und mit nichts
Als nur Liebe.


©
Dagmar Nick

 

 

 

 



 


Zeit
Jetzt in diesem Augenblick
ohne Gedanken an Zukunft,
Wird die Sekunde kürzer
In einem Flügelschlag,
Während Sterne vom Himmel fallen
Und du mich küsst,
Löst sie sich auf
Und kommt als Welle
Auf den Meeren -
Als Minute zurück.


© Peter Lauster
 

 

 

 

 

 

 


Die Wüste

Sie pfeift
Auf den Trost der Bäume.
Dem
Der doppelt elend ist
Vermacht sie
Testamentarisch
Luftschlösser.

Manna
Regnet´s nicht.
Wer behauptet
Zwölf Körbe seien übrig
War woanders.
Hier darf geweint werden.
Tropfen auf den
Heißen Stein.

Wenn es sie nicht gäbe
Müsste ich sie erfinden
Damit ich im Dursten
Bewandert bleibe
Und mein Löwenmut
Schleichen lernt.


© Eva Zeller